· 

5 Tipps gegen Welpenblues

Mindandi © freepik.com


Welpenblues? Was ist das denn?

Welpenblues?

 

Ganz ehrlich, davon hatte ich noch nie was gehört. Bis er mich am Wickel hatte, der Blues. Und zwar so richtig fies. Da kann kaum eine junge Mutter mithalten, ehrlich - auch es wenn Statistiken zufolge zwischen 50 und 80% trifft (Quelle: http://www.familie.de/schwangerschaft/babyblues). Ich hab auch ohne Säugling an der Brust sämtliche Tiefs mitgemacht.

 

Und deswegen kommen hier meine fünf einfachen Tipps, wie Du (natürlich zusammen mit Deinem Hund) gut durch die aufregende, anstrengende, spannende Welpenzeit kommst. 

 

Aber der Reihe nach.

 

Wir hatten die Entscheidung für einen Welpen ja lehrbuchmäßig durchgeplant und optimal organisiert (wie immer bei uns ☺). Mit Checklisten und allem, was dazu gehört.

Dann kam Tag X.

Der erste Tag allein mit Sophie - wenigstens so lange, bis Superhero-Herrchen aus dem Büro heimkam.

Und schon war sie da, die große Unsicherheit. 

Was mach ich denn jetzt bloß die vielen Stunden mit dem Hund?  Soll ich jetzt wirklich schon mit der ganzen 'Erziehung' anfangen? Was braucht Sophie, hat sie Hunger, hat sie Durst, muss sie raus, will sie spielen  - und warum guckt sie mich gerade so komisch an?

 

Sophie war nämlich von Anfang an irgendwie gaaaanz anders als die Welpen, die in den Hunde-Ratgebern beschrieben wurden.

Ständig hinterherlaufen? Nö.

Bällchen jagen, an Stöckchen knabbern oder an Socken zerren? Nö.

Im Garten toben? Nö.

Überhaupt gerne raus wollen? Nö.

Anzeigen, wenn man muss? Nö. (Zum Thema 'Der lange Weg zur Stubenreinheit' gibt's noch einen extra Blog-Beitrag ...)

Mit Herrchen oder Frauchen knuddeln? Nö.

 

Sophie saß nur da wie ein weißer Wattebausch und starrte mich aus ihren tiefschwarzen Kulleraugen an. Hin und wieder machte sie aus dem Stand ein Pfützchen. Oder ein Poo.

 

Und während wir uns so anstarrten, mein sehnlichst gewünschter Seelenhund und ich, schnappte mich der Blues.

Statt Harmonie, Bindung, Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl nur Angst davor, Fehler zu machen, Unsicherheit - und ganz viel Verdauung.

Für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre ... 

Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.

Ganz anders. 

 

Welpenblues

 

 

 

 

 

"Ich glaub, ich schaff das alles nicht ..."

Was mit einem Welpen alles schiefgehen kann ...

Plötzlich wurde mir klar, wie viel Verantwortung wir gegenüber dem kleinen Wollknäuel hatten. Tausend Sachen konnten schiefgehen.

Falsche Erziehung. Keine Bindung zum Hund. Kein gegenseitiges Vertrauen. Zu wenig Futter. Zu viel Futter. Das falsche Futter - hat sie jetzt gerade schon wieder gepinkelt? Zu viel Wasser. Oder hat Sophie Nierenprobleme? Oh Gott, warum jagt sie denn plötzlich ihren eigenen Schwanz? Und wie sie mit den Beinchen zuckt, wenn man sie mal vorsichtig am Bauch krault ... Ist das ein epileptischer Anfall? Gehirntumor?

 

Nach der ersten Woche war ich ein Wrack. Und Sophie bestimmt auch. Sie konnte es bloß nicht sagen.

 

Wir holten uns professionelle Hilfe - und zwar von einer Hundetrainerin, die sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert hatte. Wenn schon, dann richtig.

Die Dame kam, sah und ging wieder. Mit dem Hinweis, dass Sophie etwas zurückhaltend und übervorsichtig, aber ansonsten ganz normal und kerngesund wäre und dass wir endlich mal auf unser Bauchgefühl hören sollten - sowie mit unserer Anmeldung zu ihrem mehrmonatigen Welpengrundkurs Teil 1 (aber dazu in einem anderen Artikel mehr ☺).

Natürlich ließen wir uns diese Prognosen gleich noch durch ihre Konkurrenz bestätigen (ebenfalls mit Anmeldung zum mehrmonatigen Welpengrundkurs Teil 1).

 

"Das mit dem Zusammenwachsen dauert Monate", sagte die gute Freundin beim nächsten Telefonat. "Jahre", unkten die anderen Hundehalter, denen wir begegneten. "Im dritten Jahr wird's endlich besser. Oder im vierten. Wenn Sie Glück haben."

 

Wir bedankten uns freundlich für die niederschmetternde Auskunft und verabschiedeten uns. Auch von der Idee, dass wir ab Tag 1 ein supertolles, total entspanntes, vertrauensvolles Rudel sein mussten.

 

Dann atmeten wir tief durch. Nahmen die Pfützchen im 5-Minuten-Takt mit Humor (und ganz viel Küchenpapier). Ließen Sophie auch mal aus den Augen (aber natürlich nur ganz kurz und nur in einem abgesicherten Raum ☺). Freuten uns über jeden Körperkontakt, jedes kurze Spiel, jedes Schwanzwedeln. Lernten, was sie toll findet und was nicht.

 

Und es wurde wirklich besser. In ganz kleinen Schritten, fast unmerklich. Plötzlich war es gar nicht mehr so anstrengend, einen Welpen im Haus zu haben - vom Blues keine Spur mehr.

 

Und hier kommen sie endlich: Meine fünf persönlichen Favoriten, wie Du dem Welpenblues keine Chance gibst. Alle in Eigenerfahrung erprobt, getestet und für gut befunden ...

Tipp Nummer 1: Schau nicht danach, was die anderen machen/haben

Ich weiß, das ist schwer.

Es gibt gefühlt über tausend Ratgeber zum Thema 'Der Welpe ist da - und jetzt?', und Google spuckt noch mehr viel mehr Treffer aus.

Du gehst auf die Straße und begegnest im Minutentakt (scheinbar) perfekte Mensch-Hund-Teams.

Freunde, Familie und Nachbarn geben gute Ratschläge,

Aber es gibt nur genau ein Rudel, das so ist wie Deins. Und das seid Ihr selber, Du und Dein Hund.

 

Woher willst Du wissen, ob der perfekt im 'Fuß' laufende Schäferhund vom Nachbarn nicht schon sämtliche Socken im Haushalt aufgefressen hat? Ob der reizende kleine Malteser, der nur Augen für sein Frauchen hat, heimlich auf den Teppich pinkelt, wenn keiner guckt? Ob der Terrier, der so lustig Bällchen apportiert, auch nachts um 12 noch seine Runden in full speed dreht? 

 

Und da willst Du wirklich tauschen?

Na, also. 

Tipp Nummer 2: Versetz Dich in Deinen Hund

Du denkst, nur Du hast Probleme mit Deinem Welpen? Überleg mal, wie es Dir an seiner Stelle ginge:

  • plötzlich weg von der besten Mama der Welt (und den tollsten Geschwistern, die man sich wünschen kann). Ohne Vorwarnung. Ohne Rücktrittsklausel.
  • auf einmal in einer total fremden Welt, die so ganz anders riecht als daheim. Und wie's hier aussieht ... Ich will zu meiner Mama. Sofort.
  • allein mit Menschenwesen, die man höchstens ein, zwei Mal vorher kurz zu Gesicht gekriegt hat. Hat mich überhaupt mal einer gefragt, ob ich die gut finde?
  • konfrontiert mit einer ganzen Liste von neuen Regeln. Sitz, Platz und noch viel mehr komisches Zeug. Und wehe, ich pinkle mal meinen Protest aufs Parkett ...

Tja, so oder so ähnlich empfindet Dein Welpe gerade. Wie wär's mit ein bisschen Nachsicht? Wir sind doch alle keine Maschinen.

Tipp Nummer 3: Gib Euch alle Zeit der Welt

Siehe oben. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, oder? 

 

Beim einen Team geht's schneller, beim anderen etwas langsamer. Wenn alles gut geht, habt Ihr noch viele gemeinsame schöne Jahre vor Euch. Also, durchatmen.

 

Übrigens: Es wird der Tag kommen, wo Du bedauerst, dass Du keinen Welpen mehr im Haus hast. Du wirst in alten Fotos stöbern und die viel zu großen Tatzen vermissen, die riesige Stupsnase, das Tapsen und das Quietschen.

Und erst dieser süße Welpengeruch ... 

Tipp Nummer 4: Vertrau Deinem Bauchgefühl

Es ist wirklich wichtig, sich auf ein neues Familienmitglied vorzubereiten. Ja, lies so viele Ratgeber, wie Du kriegen kannst. Verbring jeden Abend vor dem Computer. Abonniere jede Zeitschrift.

Aber dann leg mal alles schön zur Seite und hör zu, was Dein Bauch Dir sagt. Der hat nämlich in den allermeisten Fällen Recht.

 

Muss Dein Welpe jetzt wirklich schon fünf Minuten im 'Sitz' bleiben, weil das Hundeexperte X erklärt? Ist es so wichtig, dass immer Du das Spiel mit Deinem Hund beginnst und beendest? Oder darf er auch mal mit dem Bällchen angesaust kommen und Ihr habt einfach schnell ein paar Minuten Spaß miteinander? Wird er spätestens in zwei Wochen die Weltherrschaft übernehmen, wenn Ihr abends zusammen auf dem Sofa kuschelt?

 

Was sagt Dein Bauch?

 

P.S.: Gerade beim Thema 'Hundeerziehung' gehen die (Lehr)Meinungen weit auseinander - je nachdem, wen Du gerade fragst. Und vieles, was vor fünf Jahren noch total wichtig war, ist heute absolut out.   

Tipp Nummer 5: Nimm's mit Humor

Mein absoluter Favorit. Wem hilft es, wenn Du gestresst, frustriert und wütend bist? Weder Dir noch Deiner kleinen Fellnase.

 

Du musst heute schon zum achten Mal das Parkett wischen? Kauf Dir Aktien vom Küchenpapier-Hersteller.

 

Schon wieder zwei Stockwerke runter in den Garten und wieder rauf? Andere geben dafür viel Geld im Fitness-Studio aus.

 

Ein angekauter Schuh? Wolltest Du nicht sowieso mal wieder neue?

 

Auch wenn's manchmal wirklich schwerfällt: nimm's mit viel Humor - wie (fast) alles in der Welpenzeit.

Die Du übrigens bald vermissen wirst.

Siehe Tipp Nummer 3.

So, das war's auch schon, meine ganz persönliche Bestenliste zum Thema 'Welpenblues'.

 

Und - wie war Deine erste Zeit mit Hund?

Warst Du unsicher, was auf Dich zukommt? Oder warst Du total gechillt?

Steckst Du noch mitten drin im Welpenwahnsinn?

Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

 

In diesem Sinne: alles wird gut ...

 

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Kristina (Dienstag, 24 April 2018 20:45)

    Vielen vielen Dank für diesen Text.

  • #2

    Marie (Samstag, 28 April 2018 18:41)

    Oh, wie tut dieser Artikel gut - vielen Dank!

  • #3

    Birte (Donnerstag, 03 Mai 2018 14:28)

    Mir geht es im Moment auch nicht gut, wir haben seit Montag Abend einen Dackelwelpen von 9 Wochen.
    Seitdem kann ich nix mehr essen und fühle mich auch körperlich richtig schlecht.
    Ich kann es auch gar nicht verstehen, er ist so gut wie stubenrein, schläft nachts schon 8 Stunden durch.
    Aber ich habe permanent das Gefühl was falsch zu machen, auch habe ich Angst das er vielleicht eines meiner 3 Kinder nicht akzeptiert. Das er nicht die Nachbarn nervt usw. .
    Eigentlich müsste ich überglücklich sein, aber genau das Gegenteil ist der Fall, am liebsten würde ich ihn wieder hergeben. Verstehen kann ich es nicht, hatte schon mal einen Dackel und habe ihn abgöttisch geliebt. Hoffe das Gefühl geht bald weg.

  • #4

    Andrea (Mittwoch, 09 Mai 2018 13:55)

    Gott sei Dank, habe ich deinen Bericht hier gefunden. Das hat mich so beruhigt und ja... auch getröstet. Wir haben seit 6 Tagen einen Golden Retriever Welpen zu Hause. Monatelang habe ich mich gefreut, alles vorbereitet, 1000 Bücher gelesen und Videos geschaut.... ich war absolut vorbereitet und dann? Dann cht es mich eiskalt. Ich hätte heulen können. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, was mit mir los war. Bis ich mich in der Nacht auf einmal fragte: "Gibt es Babyblues auch bei Welpen?" und habe einfach gegoogelt. Du glaubst nicht, wie froh ich bin, dass mein Befinden ganz normal ist. Ich habe echt schon an mir gezweifelt. Jetzt sehe ich das mit anderen Augen. Mir geht es viel besser und ich freu mich jetzt schon, wenn ich meine kleine Fellnase gleich bei mir habe.
    LG