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Hilfe! Mein Hund ist faul!

Hund ist faul, träger Hund

mathey @ pixabay.com


Hilfe! Mein Hund ist faul!

Gestatten, canis ignavus. Der faule Hund.

Wir haben einen faulen Hund. So, jetzt ist die Wahrheit auf dem Tisch.

 

Angeschafft als agile Begleitung für die täglichen, mindestens einstündigen Walkingtouren,  den herrlichen Wanderungen durch den sommerlichen Schwarzwald und die herbstliche Pfalz, Spaß im Schnee, Bestzeiten auf dem Agility-Platz und was auch immer, hat sich Sophie in den letzten Monaten als das entpuppt, was sie wirklich ist: eine absolut bequeme Socke.

 

Ein Hund der Gattung ‚Faulhund‘, lateinisch Canis ignavus.

Bichon frisé Sophie, müder Hund, der kleine Hundeblog

 

 

 

'Ich bin nicht faul! Nur bewegungsoptimiert.'

Bloß damit wir uns richtig verstehen: eigentlich hatten wir vor knapp zweieinhalb Jahren gemäß Kaufvertrag und Tierausweis ein süßes, weibliches Exemplar der Rasse ‚Bichon frisé‘ erworben, und dem Aussehen (und Dickschädelchen) nach gehört Sophie auch definitiv dazu.

 

Laut Wikipedia (und den diversen Züchter-Homepages, die offensichtlich alle voneinander abgeschrieben haben) ist ein Bichon frisé  (ich zitiere: ) ‚… ein unabhängiger und temperamentvoller Hund. Er lernt schnell und ist daher leicht erziehbar. Zu seinen Stärken gehören Geduld, Mut und Wachsamkeit. Wenn er etwas hört, das ihn beunruhigt, dann schlägt er sofort Alarm. Allerdings sollte man ihn nicht als Schutzhund ansehen. Bei Spaziergängen ist er sehr ausdauernd und er braucht wie jeder Hund regelmäßigen Auslauf. Der Bichon Frisé ist ruhig und brav und verhält sich Besuchern und anderen Hunden gegenüber freundlich. (Quelle: Wikipedia).

 

Also, das mit dem Alarm schlagen passt schon mal – siehe unseren Artikel über das Thema ‚Wenn’s klingelt, gibt's was auf die Ohren‘.

 

Über den Punkt ‚intelligent, daher leicht erziehbar‘ streiten wir noch. Bichons lernen wirklich verdammt schnell. Nur leider nicht unbedingt das, was Herrchen und Frauchen prima finden.

 

Die Sache mit der Ausdauer auf Spaziergängen und dem regelmäßigen Auslauf hat Sophie aber definitiv überlesen.

Bichon frisé Sophie

 

 

 

'Draußen kann man fast so faul rumliegen wie zuhause ... '

Marleen Güttinger

Vom Gassi-Gehen zum Gassi-Stehen

Okay, wir müssen uns an die eigene Nase fassen.

 

Vor lauter ‚Auslastung durch Nasenarbeit‘,  ‚Hunde müssen ihre Umgebung genau erkunden dürfen‘, ‚Schnüffeln ist überlebenswichtig‘, ‚Lass den Hund das Tempo bestimmen‘, oder wie die ganzen Tipps in den Ratgebern ‚So wird auch dein Hund glücklich und ausgeglichen, obwohl du Idiot absolut keine Ahnung von bedürfnisorientierter Beziehungsarbeit hast‘ lauten, haben wir unser genetisch vorprogrammiertes Schritttempo an Sophies vier Patschpfoten angepasst.

 

Und die können beim Indoor-Ballspielen zwar echt fix sein, aber sobald wir das Gartentor hinter uns schließen, verwandelt sich unser Hund vom quirligen Energiebündel zur lahmen Ente. Ein Faultier ist ein hyperaktiver ADHS-Patient dagegen.

 

 

 

'Bei mir muss es eben immer fix gehen ...'

 minkewink @ pixabay.com

Ja, wir haben gelernt, dass der Hund Zeit fürs Erkunden seiner Umgebung braucht.

Von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Stunde stand da allerdings nix.

 

Wenn die Sonne scheint, überlege ich regelmäßig, ob ich mir einen Barhocker und einen leckeren Cocktail mitnehmen sollte.

Und was zum Lesen.

 

Dann würde es wenigstens für die ganzen Angeber mit ihren Turbo-Collies und Raser-Aussies so aussehen, als gehörte das so.

Wenn man uns von weitem sieht, hält man Herrchen und Frauchen jeweils locker für stolze 90+, und den Hund für scheintot. Vor allem, wenn Madame beschließt, dass man Madame ab sofort ein Stückchen tragen könnte, weil Madame nicht mehr kann.

Oder wenigstens keine Lust mehr zum Weitertrödeln hat.

 

Und dafür hat Madame eine ganzes Paket an guten Gründen.

Die 10 Best-of Ausreden, keinen Schritt mehr laufen zu müssen

  1. Es ist zu heiß. Total. Mindestens 18 Grad im Schatten.

  2. Es ist zu kalt. Nur 18 Grad im Schatten. Höchstens.

  3. Halt! Den Grashalm hier kenn ich noch nicht!

  4. Halt! Hier hat mal einer hingemacht. Ist noch keine fünf Monate her.

  5. Halt! Hier liegt ein Pferdeapfel/Stückchen Holz/Kieselstein/Lehmklumpen/Stück vergammeltes Obst/irgendwas. Muss ich mal ausgiebig beschnüffeln, sonst könnte ja weiß Gott was passieren. Am besten fress ich’s, dann ist die Gefahr gebannt.

  6. Der Weg ist zu steil. Ich komm außer Atem.

  7. Der Weg ist zu flach. Mir wird langweilig.

  8. Hier liegen Tannennadeln/Steinchen/pieksende Sachen rum. Guck mal, Frauchen, bin gerade voll reingetreten.

  9. Hier liegt nix rum. Guck mal, Frauchen, bin gerade ausgerutscht.

  10. Mir fällt gerade keine Ausrede ein, Frauchen. Darfst mich aber trotzdem ein Stück tragen.

Sophie spricht’s und lässt sich fallen. Schön flach auf den Bauch mit nach allen Seiten ausgestreckten Pummelbeinchen. Das erhöht den Mitleidsfaktor der Zuschauer.

Bichon frisé Sophie, der kleine Hundeblog

 

 

 

'Ich bin totaaaaal platt. Echt.'

Bevor jetzt einer warnend den Zeigefinger hebt und auf gesundheitliche Gründe hinweist oder aufs miese Futter schimpft: vergiss es.

 

Sophie ist (Gott sei Dank) pumperlgesund und gut ernährt.

Nur faul.

Und dick.

Faulsein macht Spaß. Und dick.

Einfache Rechnung: Immer weniger Bewegung + gleichbleibende Menge an Futter und Leckerli = Gewichtszunahme.

 

Bei Hund und Frauchen.

 

Ich geb’s ja zu: in den letzten Monaten, als es schon morgens so herrlich heiß und sonnig war, hab ich ebenfalls die Bremse reingehauen.

Klar nimmt man Rücksicht auf den Hund im Wuschelfell bei sommerlichen Temperaturen, und auch das Wasserfläschchen war immer mit dabei (wir haben schließlich einen Hund, der perfekt aus der Flasche trinken kann). Die Strecken wurden immer kürzer, und nachmittags ging man statt in die Wildnis lieber in den Garten, wo’s genügend Schattenplätze gibt.

 

Resultat: knapp 700 Gramm beim Hund und vier Kilo bei Frauchen zu viel auf den Hüften. Wenn das Geschirr bzw. die Jeans kneift, ist es höchste Zeit für Action. Und zwar etwas mehr als die Ballspiel-Orgien im Haus, die Sophie nach einem kräftezehrenden Gewaltmarsch von achthundert Metern sofort einfordert.

 

So viel übrigens zum Thema ‚gesundheitliche Gründe‘. Sobald wir daheim sind, verwandelt sich der schlappe Haufen von Null auf Hundert in einen durchgeknallten Teppich-Porsche.

Wer braucht schon Bewegung an der frischen Luft …

Bichon frisé Sophie, müder Hund, der kleine Hundeblog

 

 

 

'Also, ich nicht ...'

Challenge accepted!

Jawohl.

 

Seit zwei Tagen gibt’s kein Pardon mehr. Die Temperaturen befinden sich im angenehmen Bereich, die Sonne lacht vom blauen Himmel, und das Fallobst liegt tonnenweise auf den Wiesen rum.

 

Beste Voraussetzungen für so ein cooles Hund-Herrchen-Frauchen-Ding mit ‚Fang mich‘-Spielen auf der Wiese und Wettrennen über den Waldpfad.

Bichon frisé Sophie

 

 

 

'Mich gibt's übrigens auch in schnell und aktiv!'

 Marleen Güttinger

Ab sofort …

 

… geht’s wieder zweimal täglich auf die Piste, und zwar mindestens eine Dreiviertelstunde lang (inklusive Schnüffel-Stopps).

…  legen wir jetzt mal generell einen Zahn zu. Und geschnüffelt wird auch nur noch an jedem zweiten Grashalm, nicht mehr an jedem. Was Sophie erstmal ziemlich doof findet.

… bleibt bis auf weiteres die (Schlepp)Leine dran. So verhindern wir, dass der Abstand zwischen Madame und uns nur noch knapp sechs Meter und nicht mehr sechs Kilometer beträgt (‚geht schon mal vor, ich warte hier auf Euch. Hier riecht’s super!‘).

… nehmen wir nachmittags was Superinteressantes mit. Zum Beispiel einen Futterbeutel, den wir in der Gegend rumschmeißen und Sophie zum Apportieren auffordern (was mittlerweile sogar schon ganz gut klappt). Oder den Lieblingsball, der am weitesten fliegt. Oder wir legen uns ein Leckerli auf die Schuhspitze und warten darauf, dass Madame es bemerkt.

… hat Superhero-Herrchen wieder die Agi-Geräte aufgebaut, die den ganzen Sommer über im Keller rumlagen – beim Ball-Jagen kann man nämlich auch mal über eine Hürde springen oder durch den Slalom witschen.

… überwachen wir die Leckerli-Ration wird auch wieder etwas strenger ('Neeeeeein, für ein einfaches ‚Sitz‘ ohne vorheriges Signal gibt’s jetzt nix mehr, Sophie!'), und die Waage muss alle paar Tage ran. Bei Hund, Frauchen und Herrchen.

Natürlich immer alles unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhe- und Spielzeiten.

Erstes Fazit: wir machen Fortschritte. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Gestern Nachmittag musste ich Sophie nur knapp zehn von sechzig Minuten tragen.

Höchstens. :-)

joduma @ pixabay.com

Und wie sieht’s bei Dir und Deinem Herzenshund aus? Musst Du Deine Fellnase auch hin und wieder zum Gassigehen motivieren oder gehört Dein Hund zu den Outdoor-Junkies? Hast Du einen guten Tipp für uns?

 

Schreib uns einen Kommentar oder einfach eine Mail – Sophie und ich freuen uns immer über Post!

Mach's gut und hab eine wunderbare Zeit mit Deiner Fellnase, bis bald sagen


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