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Hundefotografie für Dummies - Teil 2


hundefotografie für Dummies - Teil 2

Auf dem (langen) Weg zum perfekten Foto

Vor knapp einem halben Jahr habe ich schon mal in diesem Artikel berichtet, dass ich Ernst mache.

 

Ernst mit dem festen Vorsatz, irgendwann das perfekte Foto von Sophie (und natürlich auch vom Rest der Welt) zu schießen. Egal, wie lange es dauert. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, und Helmut Newton hat vermutlich mehr als einmal auf den Auslöser drücken müssen, bis seine Meisterwerke auch wirklich welche waren.

 

Inzwischen bin ich ein paar Monate älter, viele Erfahrungen und Wutanfälle reicher und um eine Stange Euros für unsinniges Equipment ärmer. Gewonnen habe ich in dieser Zeit die Erkenntnis, dass es ein sehr langer Weg ist zu einem Foto der Marke 'Och, das ist aber mal ganz nett geworden, oder?'.

 

Dass es möglich ist, wirklich tolle Bilder von seiner Fellnase zu schießen, beweist mir unser neuer Freund Pieter. Hier mal ein, zwei Kostproben ...

 

 

 

'Guck mal, Frauchen, so sieht ein gutes Foto von mir aus!'

 @ Emma Löwchen

 

 

 

'Gestatten: Emma Löwchen. Bin ich nicht ein hübscher Hund?'

@ Emma Löwchen

 

 

 

'Und ich? Bin ich nicht auch ein total hübscher Hund?!?!?'

@ Emma Löwchen

Wirklich wunderbare Bilder, oder?

 

Sie haben wie gesagt nur einen Haken: Sie sind nicht von mir. :-)

 

Aber ich habe gute Gründe (um nicht zu sagen Ausreden ;-) ), warum ich keine so tollen Fotos schieße - jedenfalls im Moment noch nicht.

 

Diese Tipps & Tricks kann ich Dir - Stand heute - auf den steinigen, langen Weg hin zum perfekten Foto mitgeben. Ich bin mir sicher, es gibt noch hundert andere, aber fangen wir doch einfach Schritt für Schritt an.

Tipp 1: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

... schon gar kein toller Fotograf

Was ist denn das für ein bescheuerter Tipp, fragst Du Dich jetzt bestimmt. Ich dachte, ich lerne hier was über Fotografie ...

 

Genau. Nämlich das Allerwichtigste: Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer, und - hatte ich Geduld schon erwähnt? Mehr braucht man am Anfang nicht, wenn man sich mit dem Thema Fotografie beschäftigt.

 

Wenn Du ernsthaft fotografieren willst, musst Du Dich darauf einstellen, dass Du gaaaanz viele kleine Schritte machen musst, bevor Du überhaupt siehst, dass Du Dich bewegst (bzw. gute Bilder machst).

 

Für mich war (und ist) das echt eine harte Lektion. Ich will nämlich immer alles sofort perfekt können. Dafür lese ich Unmengen von Literatur, bestelle mir Ratgeber im Internet, stöbere durch Foto-Blogs, probiere ich Online-Kurse ...

 

Alles schön und gut, aber das Problem ist, dass Fotografieren ein lebendiges, kreatives Gestalten mit Objekt, Licht und Farbe ist. Hat van Gogh durchs Bücherlesen Malen gelernt? Mozart durch einen Vortrag Klavierspielen? Ich behaupte mal frech, nein. Sie haben sich vor die Staffelei gestellt beziehungsweise auf den Hocker gesetzt und losgelegt.

 

Und das, fürchte ich, bleibt auch einem Fotografen nicht erspart.

Er muss sich seine Kamera schnappen und selber damit experimentieren. Aus Büchern, Gebrauchsanleitungen und Tutorials lernt man eine Menge, keine Frage. Aber das Foto machst immer noch Du.

 

Und zwar mit viel Geduld, Beharrlichkeit und Ausdauer.

  

 

 

 

'Die braucht man wirklich. Bis Frauchen endlich fertig ist, schläft mir noch der Hintern ein.'

Tipp 2: Lerne von den Profis

... lass Dich inspirieren!

Wie jetzt? Gerade eben hieß es noch, in der Theorie lernt man nicht, wie man tolle Fotos macht ...

 

Ja, stimmt. Aber man kann sich inspirieren lassen!

 

Schau Dir so viele tolle Hundefotos an, wie es geht. Und dann versuche herauszufinden, was das Besondere daran ist. Ist es die Bildkomposition? Die Lichtfarbe? Wirkt das Bild so toll, weil es in kühlen Farben gehalten ist? Oder in warmen? Lenkt der Hintergrund vom Modell ab oder bildet er eine Harmonie? Wie ist die Farbzusammenstellung insgesamt? Ist alles Ton in Ton gehalten, oder gibt es irgendwo einen tollen Hingucker wie beispielsweise ein buntes Halstuch? Wo liegt der Fokus? Wohin schaut der Hund? Wie wirkt er? Ist er in Aktion, oder ganz verträumt? 

 

Ich habe zum Beispiel lange Zeit darüber gerätselt, warum die Fotos von Sophie so - na, sagen wir mal, ziemlich langweilig waren (man sie könnte auch grottenschlecht nennen).

 

Sowas zum Beispiel: 

 

 

 

Okay, der Hund ist in Aktion ... Aber irgendwie trotzdem langweilig, oder?

P.S.: War Sophie als Welpe nicht zuckersüß??? :-)

Und so sieht ein Foto aus, das von jemandem gemacht wird, der sich mit Hundefotografie auskennt:

 

 

 

Hund ist ebenfalls in Aktion ... Aber das ist auch die einzige Gemeinsamkeit :-).

@ Marleen Güttinger

Ganz abgesehen von Belichtung, Nachbearbeitung etc. - es ist die Perspektive, die schon mal einen ganz großen Unterschied macht.

 

Achte mal darauf, aus welcher Perspektive der Hund fotografiert worden ist. Ganz viele tolle Fotos zeigen den Hund auf Augenhöhe. Und das heißt für Leute mit einem kleinen Hund wie unserem: immer schön runter auf den Boden und rein in den Matsch. Das wäre fast einen Extra-Tipp wert: 

Zieh Dir was an, was richtig dreckig werden darf

Das wirst Du nämlich, wenn Du im Shooting-Fieber bist. Die Fotografin des Bildes oben lag für dieses Foto mit dem Bauch direkt in einer Ladung Schafskötel. Kein schöner Anblick.

Aber so ein tolles Foto wie das von Sophie im Landeanflug muss Dir ein bisschen Sch... auf dem Shirt wert sein :-).

Tipp 3: Fange klein an

... auch wenn die Profis alle so cool aussehen mit ihren Riesenobjektiven ...

Jaaaa, auch ich bekomme immer feuchte Augen, wenn ich jemanden wie Pieter, das stolze Herrchen von Emma Löwchen, mit seinem absolut schicken Profi-Gerät anrücken sehe. Vollformat, 6720 x 4480 Pixel Sensorgröße, also 30,1 Megapixel, Touchdisplay etc. etc. etc.

 

Nur Kaffeekochen kann der Apparat nicht. Vielleicht habe ich aber auch nur nicht die richtige Taste gefunden.

 

Das Objektiv spielt in derselben Liga. Telezoom 70 - 200 mm, Bildstabilisator vom Feinsten, Lichtstärke 1:2,8.

 

Gesamtgewicht der Kombination fast 3 Kilo, Neuanschaffungspreis irgendwas knapp unter Kleinwagen - und Bedienbarkeit für Anfänger: unmöglich.

 

 

 

'Also, mein Herrchen kann damit aber umgehen. Ist ja auch ein Profi, mein Herrchen.'

Langer Rede, kurzer Sinn: das teuerste Profi-Equipment kann seine Stärken in den Händen eines Anfängers überhaupt nicht ausspielen. Es gibt wahnsinnig viele tolle Einstellungen. Aber als absolute beginner ist man froh, wenn man im richtigen Moment den Auslöseknopf findet.

 

Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.

 

Ich durfte das Zaubergerät nämlich mal ausprobieren. Sorry für die circa fünfhundert komplett unscharfen Fotos, Pieter :-). Wenn es Dich tröstet: Ich habe jetzt noch Muskelkater in den Armen ...

 

Und damit der fließende Übergang zu:

Tipp 4: Kaufe nicht alles

... schon gar nicht sofort

Nachdem ich mir wie berichtet die simpelste Spiegelreflexkamera gegönnt habe, die es gebraucht zu kaufen gibt, wollte ich wenigstens mit Zubehör aufrüsten.

 

Und davon braucht man ja eine ganze Menge, wenn man den Händlern glaubt. Ein besonderer Filter hier, eine Sonnenblende da, ein spezielles Tuch für die Reinigung, Pinselchen und Schwämmchen, und nicht zu vergessen diesen allerheißesten Sch..., den Lensball (auch als Glaskugel für die nächsten Lottozahlen verwendbar).

 

Tatsächlich im Einsatz sind nur noch der einfache UV-Filter, und zwar als Schutz der Linse, und die Sonnenblende. Die verschiedenen Polarisationsfilter filterten irgendwie nicht so wirklich, statt Schwämmchen und Pinselchen nutze ich das Mikrofasertuch von meiner Lesebrille, und der Lensball ist so schwer, dass ich ihn noch nie mit auf Fotojagd genommen habe, geschweige denn mit auf Fernreisen (wie geplant). Nicht mal die Lottozahlen hat er mir bis jetzt korrekt verraten ...

 

Wo ich leider am falschen Ende gespart habe, war der Kameragurt - ganz nach dem Motto: Hauptsache bunt und billig. Seit ich einmal die Kamera gerade noch kurz vor dem Asphalt auffangen konnte, weil sich still und leise die Kunststoffschnallen gelöst haben, bin ich auf der Suche nach einem hochwertigen Slinggurt. Der darf dann auch mal ein paar Euro mehr kosten. Hauptsache, er hält.  

 

Also, wenn Du gerade erst dabei bist, Deine Fotoausrüstung zusammenzustellen: Man braucht nicht alles, was der Fotoladen hergibt. Lerne lieber erstmal Deine Kamera richtig gut kennen und wähle Dir das Objektiv, was für Deine Zwecke am besten ist - und spare nicht am Kameragurt ...

 

 

 

'Und vor allem nicht an den Leckerlis als Bestechung fürs Modell ...'

@ Marleen Güttinger

Tipp 5: Ein bisschen Kosmetik darf sein

... oder: Ohne Bildbearbeitungsprogramm geht (fast) nichts

Ja, die Welt will betrogen werden. Kaum ein Insta-Foto wird heute noch unbearbeitet hochgeladen, jedes Smartphone-Bild ist gefiltert, was das Zeug hält - und in der Profi-Fotografie geht's erst so richtig hoch her. Da heißt es übrigens ganz nobel 'Postprocessing'.

 

Bildbearbeitungsprogramme gibt es eine ganze Menge - kostenfreie und richtig teuere für den Profibereich. Man kann damit richtig viel machen - wie gesagt, man kann. Aus einem tollen Foto wird mit ein bisschen Kosmetik ein supertolles. Aus einem miesen Foto wird ein ... naja, nicht wirklich besseres.

 

Ein gutes Foto entsteht schon in der Kamera, habe ich mir sagen lassen, und da ist was Wahres dran. Weniger ist oft mehr. Das wirst Du am besten merken, wenn Du ein Foto mal mit verschiedenen Filtern bearbeitest.

 

Schau Dich doch mal beispielsweise auf Instagram um und suche Dir die Bilder heraus, die Dir am besten gefallen - siehe Tipp 2. Und dann überlege Dir, was Dich daran anspricht. Sind es eher die warmen, fast überbelichteten Bilder im Sommerlook, oder eher die zarten, pastellfarbenen mit viel Bokeh im Hintergrund?

 

Erlaubt ist, was (Dir) gefällt - und was zu deinem Foto passt!

  

Hier habe ich mal auf die Schnelle ein bisschen experimentiert - und zwar ganz einfach mit dem Windows-Fotobearbeitungsprogramm:

Wie Du siehst, kann man schon durch kleine Änderungen der Farbtemperatur (Bild 1), der Helligkeit (Bild 2), durch Schwarz-Weiß-Look (Bild 3) oder durch eine Vignette (Bild 4) ein interessantes Ergebnis erzielen.

 

Probier es einfach aus! Das ist das Schöne an den Programmen: Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern nur ein Gefällt mir oder Gefällt mir nicht.

 

Und vergiss nicht meinen Tipp 1: Es ist ein langer Weg bis zum tollen Hundefoto.

Aber ein wunderbarer Schnappschuss von der Lieblingsfellnase gerahmt an der Wand macht doch alle Mühen wett, oder? :-)

 

In diesem Sinne, fröhliches Knipsen - Sophie und ich halten Dich auf dem Laufenden, welche Fortschritte wir machen! Wenn Du noch einen guten Tipp für uns hast, immer her damit ... Schreib uns einen Kommentar oder eine Mail, damit wir uns bei Dir auch bedanken können. Wir freuen uns darauf!

 

Bis bald, alles Gute für Dich und Deine Fellnase wünschen


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Besser geht's nicht, oder? ;-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Jasmina (Freitag, 07 Juni 2019 10:33)

    Hi Claudia,

    du sprichst mir aus der Seele mit diesem Artikel :) MIr geht es an vielen Stellen ähnlich. Und falls jemand einen wirklich guten Kameragurt-Tipp hat: ich nehme ihn auch dankend an! :D

    Was Perspektiven und "Blickwinkel" angeht, ist das der erste wichtige und große Schritt in Richtung "schönere Hundefotos". Ich habe mir zwar selbst die Sony Alpha 6000 + Festbrennweite + Reiseobjektiv gegönnt, aber schlußendlich kann man fürs Erste auch tolle Fotos mit dem Smartphone (wie bspw. Google Pixel 2 oder 3 - hat ein tolles Bokeh im Portrait-Modus, der auch bei Hunden funktioniert) machen, wenn man ein paar Dinge hinsichtlich der Perspektive, dem Vorder- und HIntergrund beachtet. Ich habe mir viele Tipps bei Benjamin Jaworksyj geholt. Er hat einen sehr informativen Youtube-Kanal und erklärt die Dinge sehr verständlich.

    Euch weiterhin fröhliches Knipsen :)

    LG
    Jasmina & Pan von seniorpfoten.de <3

  • #2

    Claudia & Sophie (Freitag, 07 Juni 2019 16:05)

    @ Jasmina und Pan: Hallo und ganz herzlichen Dank für Euren lieben Kommentar! Ich musste lachen, weil ich ausgerechnet heute nach langem Überlegen auch mal endlich ein Festbrennweiten-Objektiv gekauft habe und es beinahe wieder bereut nach dem Motto: Ohne Zoom läuft nix! ;-)
    Aber Du machst mir Mut ...
    Vielen lieben Dank auch für den Tipp zum Profi: Da schaue ich auf alle Fälle gleich mal rein! Man lernt ja nie aus :-) ...

    Alles Gute für Euch beiden und viel Erfolg beim Fellnasen-Fotografieren!

    Bis hoffentlich bald,
    Eure Claudia & Sophie vom kleinen Hundeblog