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Buchtipp: 'An lockerer Leine' von Jeanette Przygoda

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de


Ich liebe Ratgeber.

'So hört dein Hund auf dich, auch wenn du alles falsch machst', 'Mein Hund liebt mich heiß und innig - liebt dich deiner auch oder brauchst du noch Leckerlis?', 'Bindungsspiele für totale Idioten wie dich' oder wie sie heißen - ich hab sie alle gekauft (und gelesen). Auch wenn sie im Handel unter anderem Titel verkauft werden. :-)

 

Ich bin jedes Mal total euphorisch, wenn das Buch vor mir liegt.

Geschlossen.

 

Sobald ich damit durch bin, sieht die Welt (meistens) anders aus.

 

Entweder die Ratschläge gehören in die Schublade 'Weiß ich schon - funktioniert aber nicht', oder sie sind schlicht und einfach nicht praktikabel für uns. Teilweise scheitert es schlicht und einfach an Sophies Größe. Ein Teppichporsche lässt sich zum Beispiel nicht mit Leckerli in der Hand im Fuß führen. Wer's nicht glauben will: ich rücke auf Anfrage gerne die Übungszeiten in unserem Hundesportverein raus, wo ich wie Quasimodo mit Kopf auf Kniehöhe über den Platz stolpere. Sophies Reaktion auf meinen Neandertaler-Gang ist übrigens panische Flucht. Begleithundeprüfung ade.

 

Langer Rede, kurzer Sinn: ab sofort möchte ich unter der Rubrik 'Bringt das was?' immer mal wieder einen Ratgeber rund ums Thema Hund vorstellen, der uns wirklich was gebracht hat.

 

Das Geld, das Du sparst, wenn Du nicht wie ich (fast) jeden Ratgeber der Welt kaufst, kannst du prima in was Netteres für Dich und Deine Fellnase investieren.

Einen Knochen zum Beispiel :-).


'An lockerer Leine - Der leichte Weg zum leinenführigen Hund' von Jeanette Przygoda

Gassi-Training auch für den kleinen Hund?

 

 

 

 

Einen leinenführigen Hund - wer hätte den nicht gern?!?

 Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Ach ja.

Ein kleiner Hund, der ganz lässig an lockerer Leine läuft.

Immer.

Egal, wie groß die Ablenkung drum herum ist.

Ein total entspannter Gassi-Gang, auch wenn man sämtlichen zwei- und vierbeinigen Fans seines Hundes begegnet.

Ein Hund, der nie an der Leine zerrt. Und nie heißt wirklich nie!

Das steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Bei Dir auch?

 

Okay, eigentlich läuft es prinzipiell ganz gut bei uns. Die Betonung liegt auf 'eigentlich', 'prinzipiell' und 'ganz gut'. Wenn wir allein auf weiter Feld und Flur unterwegs sind, Sophie ihre erste Schnüffelsucht befriedigt hat, Wetter und Temperatur mitspielen und der Mond im richtigen Haus steht. Sobald einer dieser Faktoren nicht mehr zu hundert Prozent stimmt, wird's schwierig mit der lockeren Leine.

 

Höchste Zeit, den Ratgeber der Sozialpsychologin und Hundetrainerin Jeanette Przygoda zu testen, der genau dieses Problem beheben will.

 

 

 

Probleme gibt's viele ...

 

 Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Der erste Eindruck

Schon beim ersten Durchblättern die angenehme Überraschung: das knapp 112 Seiten starke Buch im handlichen +/- DIN A5-Format (mit mattiertem Softcover als Handschmeichler) ist wirklich sehr liebevoll und hochwertig gestaltet.

 

Hier merkt man auf den ersten Blick, dass jemand mit Herzblut bei der Sache war: schöne, klare Textpassagen, aufgelockert mit tollen Fotos, passenden Zitaten, graphischen Details (wie die netten kleinen Klebestreifen) und Erfahrungsberichten von 'normalen' Hundehaltern. 

Endlich mal ein Ratgeber, der nicht knochentrocken und lehrbuchmäßig daherkommt! 

 

 

 

 

Schöne Bilder, schöne Texte ...

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Hundeerziehung darf auch Spaß machen - das vermittelt bereits der erste Blick ins Buch. Dazu noch Tipps für die Ausrüstung gleich im Klappentext, ein vielversprechendes Inhaltsverzeichnis mit sämtlichen Schwierigkeiten, mit denen Sophie und ich kämpfen (und noch ein paar mehr) und ein ausführlicher Serviceteil mit (Buch)Empfehlungen zu Erziehung, Verhalten und Beschäftigung.

Was will man mehr?

 

Schon allein wegen der Optik werde ich mir das Buch als nettes, kleines Geschenk für andere Hundefreunde merken (die irgendwie auch immer die gleichen Baustellen haben wie wir ... ;-) ).

 

Deswegen: klare fünf von fünf Knochen!


Der Autor

Mich persönlich interessiert immer, wie viel Hundeerfahrung der Autor (beziehungsweise die Autorin) hat. Ich habe schon zu viele Ratgeber erwischt, die - sagen wir es diplomatisch - auf ziemlich niedrigem Niveau angesiedelt waren.

Wer seit ein paar Monaten einen Hund im Haus hat, kann viele nette Stories erzählen, ich weiß. Aber das sind eben Momentaufnahmen mit dem eigenen Hund. Nicht umsonst bilden sich gerade die erfahrenen Hundetrainer/innen immer weiter und bleiben auch sonst am Ball, was aktuelle Forschungen und Entwicklungen rund um den Hund angeht.

 

Über die Autorin erfährt man auf der Rückklappe, dass sie Sozialpsychologin und Hundetrainerin ist und "seit vielen Jahren (...) hauptberuflich Hundehalter bei allen Fragen rund um Hundeverhalten, -erziehung und -kommunikation" berät. Dazu noch ein bescheidener Hinweis auf die eigene Hundeschule im Serviceteil, das war's auch schon zum Thema 'Eigenwerbung'.

Sehr sympathisch, genau wie das Foto der Autorin mit (ihrem?) Hund.

 

Welche Grundlagen sie bei ihrem Training nutzt und welche Schwerpunkte sie setzt, erfährt man etwas ausführlicher im Vorwort (Einsatz von körpersprachlichen Signalen, "die der Kommunikation unter Hunden entlehnt sind") und natürlich auf ihrer Homepage (www.leinensache.de).

 

Ich habe mir die Webseite angesehen und beschlossen, dass Frau Przygoda bestimmt Ahnung von allen Baustellen (wir wollen mal das böse Wort 'Probleme' vermeiden ;-) ) hat, die so bei Hund und Mensch auftreten können. Schade, dass Köln nicht um die Ecke liegt - ich hätte glatt mal einen Probetermin bei ihr vereinbart.

 

Fazit: auch wieder fünf von fünf Knochen.


Der Inhalt

Jetzt aber Butter bei die Fische: Was verspricht das Buch?

Und können wir die Übungen auch mit einem kleinen Hund problemlos durchführen?

 

Im Inhaltsverzeichnis tauchen wie gesagt schon mal sämtliche Baustellen auf, die mir bekannt vorkommen - und dazu noch einige mehr wie zum Beispiel aggressives Verhalten an der Leine oder 'Mehr-Hunde-Führung'. 

 

 

 

 

Schauen wir mal genau hin ...

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Gestartet wird mit dem Kapitel "Training vorbereiten", in dem die Autorin neben den 'hard facts' wie das richtige Equipment (ja, diese furchtbaren Flexleinen ... ;-) ) oder Auswahl des richtigen Trainingsortes auch gleich die 'soft skills' erklärt.

Auf gut deutsch: wie schaffe ich es, für meinen Hund so spannend zu sein, dass er sich an mir orientiert, und wie bekommt er eine positive Einstellung zum Laufen an der (lockeren) Leine?

 

Dazu gibt es gleich eine mehrere Basisübungen, die im wahrsten Sinne des Wortes Schritt für Schritt erklärt werden - und darüber hinaus viele Hintergrundinformationen, worauf man achten muss, welche Gründe hinter den verschiedenen Reaktionen des Hundes stecken, und vor allem, wie man damit am besten umgeht.  

 

Darum gefällt mir dieser Ratgeber auch so gut: er geht ganzheitlich an die Sache ran und macht einem bewusst, warum aus Hundesicht vieles total bescheuert ist, was wir Menschen von unserer Fellnase verlangen.

Und vor allem, was wir durch Inkonsequenz (an die eigene Nase fassen!) und Ungeduld (nochmal an die eigene Nase fassen!) verderben ...

 

Die folgenden Übungen, die Frau Przygoda schön bebildert erklärt, sind nicht wirklich neu, aber durch die Hintergrundinformationen viel besser zu verstehen.

 

 

 

Step by step ...

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Aber - da kommen wir schon zu meinem persönlichen Problem: das Training mit vollem Körpereinsatz, sprich 'blockieren', 'Weg abschneiden', 'Zickzack laufen'.

 

Es ist wirklich verdammt schwer, einen Hund, der im Normalzustand mit dem Kopf auf halber (Menschen)Wadenhöhe läuft, zu blockieren.

Ich weiß, wovon ich rede. Da ist nix mit 'Knie ausfahren' oder 'seitlich abdrängen', echt nicht.

Entweder man latscht beim Blockieren auf seinen Hund drauf (was auch nicht irre beziehungsfördernd ist), oder man steht da, wo der Hund vor anderthalb Millisekunden noch war. Jetzt hat er sich schon drei Meter weiter nach links gebeamt, um sofort wieder hinter einem aufzukreuzen.

Ich kann Sophie jedesmal dabei kichern hören. Sie ist einfach zu schnell für mich.

 

Wenn ich beispielsweise mal auf dem Hundesportplatz einen Golden Retriever oder einen Aussie neben mir habe, kapiere ich, wie das mit dem Blockieren funktioniert.

 

Mit einer Fußhupe wie Sophie ist der Einsatz von Knien, Oberschenkel oder sogar Hüfte nur ein Grund mehr, warum sich die Umstehenden vor Lachen kringeln.

 

 

 

 

Mit dieser Größe wird's deutlich einfacher.

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de

Damit fällt leider schon mal ein wichtiger Baustein für den Aufbau des lockeren Laufens an der Leine weg.

Wenigstens für Halter kleiner Hunde, die nicht im Stehen einpennen.

 

Kein Wunder, warum Sophie beim 'Zick-Zack-Lauf' wochenlang uns (und unsere Trainerin) in den Wahnsinn getrieben hat - sie weicht zwar aus, wenn man ihr den Weg abschneidet, aber leider nicht in die Richtung, in die sie ausweichen soll.

 

Außerdem hat unser Hund 'Charakter' - meint unsere Lieblingshundesitterin.

Wir sagen 'Sturkopf' dazu.

Übungen, die sie nicht einsieht, macht sie nicht.

Punkt.

Das Thema hatten wir schon beim (gescheiterten) Training zur Begleithundeprüfung. Wir können nur weiter an der Basis, sprich der Beziehung zu uns, arbeiten - und es wird wirklich besser :-).

 

 

 

 

 

'Sturkopf'? Ich?!?

 

Abschließend gibt die Autorin noch ein paar 'Erste Hilfe-Tipps', wie man in schwierigen Situationen am besten reagiert, und streift das Thema 'Korrekturen'. 

 

Da (wie meistens) nicht auf das Thema 'Besonderheit beim kleinen Hund' eingegangen wird, gibt's diesmal leider nur vier von fünf Knochen.

 

Sophie würde am liebsten noch mindestens einen Knochen für die Unverschämtheit abziehen, dass Frau Przygoda die (ständige) Belohnung mittels Leckerlis ablehnt ;-). Ich konnte sie aber mit ein paar Mini-Schmackies umstimmen.

Also


Unser Fazit

Richtig gut gefallen haben uns:

  • die ausführlichen, verständlichen Erklärungen
  • die aufeinander aufbauenden Übungen
  • die vielen Tipps, die einem bewusst machen, wie oft man zu ungenau in der Kommunikation mit seinem Hund arbeitet
  • die Hilfestellung in problematischen Situationen
  • die Auflistung von Gründen, warum Hunde so gerne an der Leine ziehen - und wie man an den einzelnen Verhaltensweisen ansetzt
  • und nicht zuletzt die wirklich schöne, liebevolle Aufmachung des Buches.

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • die etwas verwirrende Struktur: anfangs werden die Übungen sehr ausführlich auch optisch  dargestellt, später gehen sie etwas im Text unter
  • die Gründe fürs Ziehen werden erst in der zweiten Hälfte des Buches erklärt - diese Information würde sicher vielen Lesern gleich zu Beginn des Ratgebers helfen
  • auf das Thema 'kleine, agile Hunde' wird leider nicht eingegangen
  • und natürlich das 'Problem' :-), dass die Autorin der Meinung ist, dass Beziehungsaufbau "wunderbar über Erziehung, über Regeln und Strukturen, über gutes Timing und schöne Zeit, die man gemeinsam verbringt" funktioniert. Leckerlis haben während dem Training nichts verloren, sondern sind höchstens am Ende der 'Arbeitszeit' quasi als Futter zu reichen - sorry Sophie! :-) 

Aber - das sind eher Kleinigkeiten. Dieses Buch macht wirklich Spaß, bringt gute Ideen und gibt dem Leser klare Übungen an die Hand.

 

Unsere Meinung daher: tolle viereinhalb von fünf Knochen!


 

Insgesamt also eine klare Kaufempfehlung! In diesem Ratgeber liest man gerne nochmal nach, freut sich an den wirklich tollen Bildern und genießt die Berichte anderer Hundehalter, die auch noch auf dem Weg zu 'lockeren Leine in allen Lebenslagen' sind ...

 

 

 

 

Klar, das schaffen wir!

Anna Auerbach/Kosmos @ kosmos.de


'An lockerer Leine - Der leichte Weg zum leinenführigen Hund' von Jeanette Przygoda ist erschienen im Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2017, mit der ISBN 978-3-440-15132-7, EUR 9,99


Hast Du diesen Ratgeber auch schon gelesen? Wie hat er Dir gefallen?

 

Kennst Du noch andere Bücher rund ums Thema Hund, die eine echte Entdeckung sind? Dann immer her mit den Vorschlägen!

Schreib mir einfach einen Kommentar - oder noch besser eine Mail.

Sophie und ich freuen uns immer über Post!

 

Bis bald, alles Gute für Dich und Deine Fellnase wünschen

Kleine Anmerkung am Rande: ich habe das Buch unaufgefordert gekauft und aus meinem (fast leeren) Geldbeutel bezahlt.

Nein, ich bekomme kein Geld für diese Rezension.

Und nein, Frau Przygoda und ich sind weder verwandt noch verschwägert. Sie hat mich noch nicht mal zum Kaffee eingeladen.

Schade eigentlich.

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Kommentare: 1
  • #1

    Zucker&Zimt Design (Freitag, 18 Mai 2018 12:12)

    Oh das klingt gut! Das kommt gleich auf meine Liste :)