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Der Trüffel-Hund


Der Trüffel-Hund

Wenn Schnüffeln zur Sucht wird ...

Unsere Sophie hat ein neues Hobby: trüffeln.

 

Eigentlich kann man es gar nicht mehr Hobby nennen, denn ein Hobby betreibt man im Normalfall nur, wenn man gerade Zeit dafür hat (außer man ist Rentner, aber die haben angeblich ja auch nie Zeit :-) ). Dann, wenn’s eben gerade so reinpasst und einem der Alltag nicht komplett jede Energie für irgendwas Nettes aus den Adern saugt.

 

Nein, Sophies Trüffelei ist mehr als ein Hobby. Es ist eine Leidenschaft, eine echte Passion. Mittlerweile fürchten Helikopter-Frauchen und Superhero-Herrchen sogar, dass es sich beim Trüffeln um eine suchtartige Zwangsstörung handelt, unter der Sophie leidet.

 

 

 

'Bitte nicht stören! Ich muss trüffeln!'

Obwohl ...

Zumindest äußerlich leidet sie nicht erkennbar während des Trüffel-Vorgangs.

 

Ganz im Gegenteil. Es macht ihr sichtlich Spaß, diese Trüffelei. Noch schlimmer: sie trüffelt sich regelrecht in Ekstase.

 

Was als zaghaftes, noch sehr unterdrücktes Trüffeln beginnt, steigert sich von Minute zu Minute, bis die Trüffel-Sucht über sämtliche normalen Verhaltensweisen eines Hundes triumphiert.

Im Wanderurlaub wurden wir fast zwei Wochen lang tagtäglich Zeuge, wie sich das Trüffel-Gen erst ganz verhalten, dann immer ungenierter in Sophies wuscheligem kleinen Bioresonanzkörper ausbreitet, bis es auch den letzten Rest an freiem Hundewillen unterworfen hat und der ganzer Hund nur noch einem Ruf gehorcht: dem Ruf des freien, wilden Trüffelns.

 

 

 

'Ich kann nichts dafür. Irgendwas zwingt mich dazu ...'

Nicht, dass Sophie im Normalzustand was mit Gehorsam am Hut hätte, Gott bewahre! Wir haben schon mehrere engagierte Hundetrainer verschließen. Sophie ist nämlich komplett auf Zack. Damit sind sämtliche Bemühungen, streng nach Lehrbuch irgendwelche ‚Sitz-Platz-Bleib‘-Übungen schrittweise aufzubauen, gezielt zu üben und konsequent durchzusetzen, zum Scheitern verurteilt.

 

Sophie kapiert in 99% der Fälle sofort, was man von ihr will.

 

Beim restlichen 1% befindet sie sich im Tiefschlaf – oder beim Trüffeln.

 

 

 

 

Unser wasserscheuer Hund ... :-)

Nein, das Problem liegt ganz woanders.

 

Es liegt in der Frage, die sie sich bei jeder höflich formulierten Anfrage unsererseits (in den Erziehungsratgebern auch ‚Befehl‘ genannt) stellt und innerhalb eines Bruchteils einer Mikrosekunde selbst beantwortet: Will ich oder will ich nicht?

 

Normalerweise entscheidet sie sich spontan für Alternative Nummer 2, und Helikopter-Frauchen steht wieder mit hochrotem Kopf auf dem Hundesportplatz und darf sich von Streber-Schäferhund-Haltern auslachen lassen. 

 

 

 

'Sag mal, würdest DU immer machen, was man dir sagt? Also, ich finde sowas ja peinlich ...

Komisch, dass sie sich diese Frage beim Trüffeln bis jetzt offensichtlich noch nie gestellt hat. Wenigstens haben wir sie noch nicht bei diesem kurzen Zucken in den Augenwinkeln beobachtet, das bei ihr ein Zeichen für ausdauerndes Nachdenken ist.

Nein, der Zwang zum Trüffeln befällt sie offensichtlich hinterrücks, und sie gibt sich ihm hemmungslos hin.

 

Es beginnt bereits gleich am Anfang der Gassi-Runde. Wir sind kaum auf dem Feldweg, zuckt es ein, zwei Mal in Sophies Augen, ihre Nasenflügel weiten sich, ein Beben geht durch den kleinen Körper – und schon hat sie die Trüffel-Sucht in ihren Klauen.

 

Anfangs leistet Sophie noch halbherzig Widerstand, was wir daran erkennen, dass wir uns noch vom Fleck bewegen. Nicht viel, aber immerhin ein paar Meter.

 

Langsam natürlich.

 

Sehr langsam.

Und dann kommt unweigerlich der gefürchtete Moment, wenn uns die erste Weinbergschnecke rechts überholt.

 

Sophie ist es nicht mal peinlich – ganz im Gegensatz zu Herrchen und Frauchen. Sie trüffelt, als wenn’s kein Morgen gäbe.

Bevor es ein Missverständnis gibt: Sophie ist kein richtiger Trüffelhund. Sie wühlt keine braunen, verschrumpelten Knollen aus, die wir uns über die Spaghetti hobeln könnten (was in Deutschland übrigens ja auch verboten ist, da die Trüffelpilze in freier Wildbahn unter Naturschutz stehen).

 

Nein, trüffeln ist einfach die Kombination aus trödeln und schnüffeln. Sophie kann beides gleichzeitig – und steckt damit jeden Lagotto Romagnolo ganz locker in die Tasche. Gut, sie ist ja auch schon über drei Jahre lang im harten Training.

 

 

 

'Und so ein Trüffel-Training ist wirklich ganz schön hart, Leute!'

Natürlich haben wir lange Zeit gegen die Trüffelei angekämpft. Sogar in teuren Einzeltrainingsstunden. Vom rauen ‚Du musst den Hund an der Leine einfach MITNEHMEN!‘ bis zum pädagogisch-wertvollen ‚Beschäftige den Hund doch mal alternativ!‘ war alles dabei – und alles sinnlos.

 

Wenn Sophie trüffeln möchte, möchte sie trüffeln.

Punkt.

Wir haben schließlich eine Bichon frisé-Prinzessin mit überraschend starkem Willen.

 

Und so wird eben getrüffelt, was das Zeug hält. Ohne Rücksicht auf Verluste - bzw. Herrchen und Frauchen.

 

Wie wir damit umgehen?

 

Mit Geduld und viel Humor. Wie immer.

 

Ach so, ja, ganz so schnell geben wir doch nicht auf. Momentan trainieren wir mit Sophie gerade 'Geld erschnüffeln'. Einen Fünf-Euro-Schein hat sie neulich schon im Wald gefunden. Als nächstes üben wir mal die Hundert-Euro-Aufwärts-Scheine und Kreditkarten. :-)

 

 

 

 

'Mal trüffeln, ob da drin ein Geldkoffer rumschwimmt ...'

Und welche Hobbies hat Deine Fellnase? Socken farblich sortieren? Knochen der Größe nach vergraben?

 

Schreib uns - Sophie freut sich immer über Post! Und ich mich natürlich auch …

 

Viel Spaß bei Euren gemeinsamen Freizeitbeschäftigungen und alles Gute für Dich und Deine Fellnase wünschen


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Kommentare: 2
  • #1

    Christoph (Donnerstag, 15 August 2019 13:12)

    Je nach Jahreszeit und Witterung hat Telmo unterschiedliche Vorlieben. Im Frühjahr und Herbst sind Mäuse, bzw. das Graben nach Mäusen sein bevorzugtes Hobby. Wir haben uns aber mit ihm darauf geeinigt, dass er sie im Erfolgsfall leben lässt und gegen ein Leckerli eintauscht.

    Großen Spaß macht es ihm wenn sich meine Frau oder ich uns verstecken und er (an der Schleppleine) auf die Suche gehen kann. Telmo ist dabei sehr erfolgreich und freut sich immer wie ein Schneekönig wenn er uns gefunden hat (wir müssen uns dabei auf ihn verlassen weil wir das Versteck nicht absprechen). Gegen das Suchen von versteckten Leckerlis hat er aber auch keine Einwände.

    Bei höheren Temperaturen im Sommer sind unsere Gassirunden eher gemütliche Spaziergänge auf denen er ausgiebig Zeitung liest und auch nichts gegen Pausen am Rhein oder anderen schönen Plätzen einzuwenden hat.

    Je kälter es im Winter ist, je länger sind unsere Runden die auch zu regelrechten Langstrecken-Märschen werden können. Schnüffeln findet dann natürlich auch statt, spielt aber nicht die Hauptrolle.

    Das Spielen mit Bällen, Frisbees oder anderen Sachen findet Telmo öde. Bei allen Gassirunden gibt es zwischendurch aber auch immer ein bisschen Üben von Grundkommandos.

    Abends gibt es sehr oft eine Art Ritual. Wir laufen einen immer gleichen Weg. Telmo darf dann nach Herzenslust Schnüffeln und (vielen Hundetrainern werden sich jetzt die Nackenhaare aufstellen) an immer den gleichen Stellen markieren. Wir sagen dann immer, wir gehen auf Patrouille und kontrollieren unser Revier.

    Herzliche Grüße vom Rhein, Christoph

  • #2

    Claudia & Sophie (Montag, 19 August 2019 08:33)

    @Christoph: Prima, dass es hier auch noch andere 'Schnüffelnasen' gibt! Wir hatten auch mal die Idee, mit Sophie Personensuche zu trainieren - ganz korrekt mit Duftspur-Legen und allem Pipapo ... Das Mäuschen hat uns zwar ganz prima gefunden, war aber danach mit den Nerven so am Ende ('Hiiiilfe! Ich hab mein Rudel verloren! Ich werde verhungern/verdursten/erfrieren/an Langeweile sterben!'), dass sie Spontan-Durchfall bekommen hat. :-) Seitdem lassen wir das mit der Personensuche ... :-) :-) :-)